Abschlussreise nach Krakau/Polen:
(Reise)Bericht von einem unerwartet spannenden Abenteuer (ohne Diebstahl) in Polen


16.06.2009 Kisdorf (bolling).
Man denkt vielleicht zunächst – wie so mancher Schüler es auch geäussert hat – an den einen oder anderen mehr oder weniger netten Witz über Polen, an leider immer noch vorhandene Klischees und Vorurteile oder an leckeres Grillgut - doch Krakau ist anders! Aber beginnen wir am Anfang...
Wir haben gelernt, dass die Fahrt mit einem polnischen Nachtzug eines der letzten Reiseabenteuer Zentraleuropas ist. Durchschnittlich alle 150 Minuten hat man einem Schaffner der polnischen Staatsbahn zu beweisen, dass man wirklich berechtigt ist in diesem Zug mitzufahren. Ein "Klogang" erfordert akrobatische Fähigkeiten – aber das kennt man ja auch aus anderen Zugtoiletten. Schon der Weg über die im Gang schlafenden armen Seelen ohne Platzreservierung ist eine grossartige Gleichgewichtsübung. Und in der Toilette selbst überlistet man die Gesetze der Schwerkraft und der Massenträgheit, um ja nicht mit irgendetwas in näheren Kontakt zu kommen. Aber kommen wir doch nun lieber zu erfreulicheren Dingen...
Montag 8. Juni: Sonnenaufgang in Südpolen und der Zug rollt von Milchkanne zu Milchkanne. Eine wunderschöne Landschaft, grossartiges Sommerwetter und Bauern arbeiten bereits früh auf den Feldern, so als gäbe es überhaupt keine modernen Traktoren und Maschinen. Dazwischen kleine Dörfer und immer wieder uralte, verfallene schlesische Industrieanlagen. Ein Land, das sich im Umbruch befindet – dieser Eindruck wird immer wieder bestätigt – auch in Krakau selbst. Bei der Ankunft sind alle sind erschöpft von der langen Fahrt und ziehen ihre Rollkoffer müde vom Bahnhof zum Hostel. Nach dem Einchecken lernen wir Pawel – unseren Reiseführer für die Woche – kennen. Eine kleine Stadtführung rundet den ersten Tag ab. Wir sind beeindruckt von dem mächtigen Wawelschloss, den jüdischen Wurzeln im Stadtteil Kazimierz und auch davon, dass Pawel mitten in der Stadt einfach sein Mountainbike unabgeschlossen stehen lässt, um es nach einer Stunde wieder abzuholen. Diebstahl? – kein Gedanke!
Am Dienstag dann unser Programmschwerpunkt Auschwitz: Aufmerksam, ruhig und gefasst sind alle der Gedenkstättenführerin gefolgt. Die Vorbereitung auf dieses Erlebnis scheint angemessen gewesen zu sein. Doch im Krematorium kann so mancher nicht mehr an sich halten – die Eindrücke sind einfach zu erschütternd. Allein die Grösse des Lagers lässt einen fassungslos dastehen – wie war so etwas nur möglich? Den Mittwoch verbringen wir dann auf Flössen im Dunajec-Bruchtal. Eine beeindruckende Natur und interessante Gespräche lassen diesen Tag wie im Fluge vergehen. Der Donnerstag ist in Polen ein Feiertag, die Geschäfte sind geschlossen. Deshalb entfällt der Shoppingtag und wir grillen im Garten des Hostels. Alle sind an der Vorbereitung beteiligt und fassen kräftig mit an. Ganz eigenständig haben die Schüler ein tolles Grillfest mit leckeren Salaten und allem, was dazu gehört, auf die Beine gestellt.
Die Woche geht viel zu schnell vorbei, es ist schon Freitag. Ein paar Stunden Freizeit zum Shoppen bleiben den Schülern noch bevor es gegen Abend zur befürchteten Rückfahrt kommt. Aber es wird etwas angenehmer – zumindest für diejenigen, die einen Platz im Liegewagen haben. Auch der Zug ist etwas komfortabler. Aber die Kontrollfrequenz der Schaffner konnte auf der Rückfahrt sogar noch gesteigert werden: 5 Kontrollen in etwa 10 Stunden! Wir alle fahren zurück mit überraschenden Eindrücken aus einem Land, das man sich ganz anders vorgestellt hat. Keine Diebstähle wurden verzeichnet, aber viele Bilder mitgebracht aus einer wunderschönen Stadt, die soviel Geschichte und Kultur hat, so vielfältige Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten bietet und die einfach nur spannend ist...