Besuch aus Moskau:

Besuch aus Russland

(julu & Miko) (pri'vje:t) Hallo! Über Russen gibt es viele Vorurteile. In der letzten Woche haben wir gemerkt, dass diese Vorurteile nicht stimmen. Eine russische Reisegruppe aus Moskau hat am 16.September 2010 unsere Schule in Kisdorf besucht. Als wir hörten, dass wir russische Gäste zu Besuch haben, haben wir es mit gemischten Gedanken aufgenommen. Wir dachten an die vielen Vorurteile, die man so hört. Da wir Vorurteilen aber nie gerne Glauben schenken, wollten wir von ihnen mehr herausfinden.

Es herrschten erstaunte Blicke über die Sauberkeit in unserer Schule und unser elektronisches Infoboard, was aktuelle News und unseren Vertretungsplan zeigt. Nach einer kurzen Ansprache von unserem Konrektor Herrn Radetzky haben unsere Gäste am Unterricht teilgenommen. Mike und ich (Julien) haben eine zehnte Klasse mit in unseren modernen Computerraum begleitet. Nach einer kurzen Vorstellung unserer Personen galt deren Aufmerksamkeit nicht mehr der russischen online Community Plattform „vkontakte.ru“, sondern uns Jungs. Aus dem Versuch ein Interview mit zu führen, wurde leider nichts, da wir kaum Zeit hatten, zwischen ihren wissgierigen Fragen zu antworten. Natürlich haben wir auch ein paar Fragen stellen können. Als wir den Mädchen klargestellt haben, dass wir nur manchmal vergeben sind, haben sie für uns ein russisches Lied gesungen. Als alle auf einmal angefangen haben, bekamen wir eine Gänsehaut. Die Energie, die in das Singen gesetzt wurde, war atemberaubend und wunderschön. Das wird eine Erinnerung sein, die wir nie vergessen werden und möchten. Wir applaudierten und es gab einen Crashkurs für uns in russischer Sprache.

Da ich immer gerne Sprachen ausprobiere, hatte ich keine Scheu mich an die für mich fremde Aussprache zu versuchen. Ich habe gelernt, dass  (pri'vje:t) „Hallo!“ heißt und wie ich mich vorstelle. Bei meinem Versuchen Russisch zu sprechen, wurde viel gelacht. Es hörte sich wohl ziemlich komisch an.

Wenig später bekam ich mein erstes Geschenk: ein Freundschaftsarmband in den russischen Nationalfarben. [Weiß, Blau, Rot] Herr Radetzky hat von einer russischen Lehrerin eine kleine russische Fahne geschenkt bekommen. Nach meinem Foto von der Übergabe fing das große Foto-Shooting an. Alle Schüler wollten mit uns Fotos machen. Nach unzähligen Fotos sind wir mit der ganzen Gruppe in die Mensa gegangen, wo manche Schüler gleich sagten, wie schön und sauber sie sei. Bei der Frage, wie deren Mensa sei, hieß es, dass sie bei weitem nicht so schön und auch viel kleiner ist. Wir haben uns alle zusammen an die Tische gesetzt und gemeinsam gefrühstückt. Dabei konnten wir uns auf Englisch unterhalten. Im Musikunterricht wurde auf Deutsch und auf Englisch gesungen, damit unsere Gäste auch was verstehen konnten. Anfangs hatten unsere Gäste Hemmungen sich zu überwinden, mit zu singen und mit zu tanzen.  Dies  ging aber schnell vorüber. Nach dem Musikunterricht trafen sich alle russischen Klassen wieder im Eingangsbereich, um sich erneut aufzuteilen. Die zehnte Klasse wollte wieder in den Computerraum. Diesmal gingen die in unseren ältesten Raum, wo die Computer dringend mal ausgetauscht werden müssten. Dementsprechend waren unsere Gäste auch ratlos, was sie an den Computern machen sollten. Wir haben unsere Schulhomepage vorgestellt und ein bisschen geredet. Schließlich wurden wir für den kommenden Nachmittag um Fußball zu spielen und zu Grillen in die Herberge eingeladen. Da wir uns schon den ganzen Tag über die Offenheit und Freundlichkeit unserer Gäste gefreut hatten, haben wir natürlich zugesagt. Nach der Unterrichtsstunde gingen wir alle nach draußen zur Rutsche, damit ein gemeinsames Erinnerungsfoto und Einzelfotos von uns geschossen werden konnten. Nach bestimmt 100 Fotos mussten die Schüler zurück zum ehemaligen Schullandheim „Ulmenhof“ fahren. Kaum war unser Unterricht beendet, sind Mike und ich sofort hinterhergefahren.

Als wir dort ankamen, wurden wir von der jüngsten mitreisenden Person begrüßt. Sie ist neun Jahre alt und kann für ihr Alter unglaublich gut Englisch sprechen. Nach einer kurzen Vorführung am Klavier hat sie uns das Schullandheim gezeigt. Schließlich wurden wir wieder zu den Zehntklässlern gebracht.

In Russland ist die elfte Klasse das letzte Schuljahr des Gymnasiums. Dies hat uns erstaunt, da wir als Realschüler ja schon zehn Jahre brauchen. Anscheinend legen die Russen privat sehr großen Wert auf Sauberkeit: wir sahen ein paar Schüler mit einem Wischmob durch die Gegend laufen.

Dass Russen sehr musikalisch sind, haben wir in der Schule ja schon herausgefunden, aber dass fast jeder ein Instrument spielen kann, hat uns doch sehr erstaunt. Lange haben wir uns aber nicht im Gebäude aufgehalten, da sie uns die Umgebung zeigen wollten. Nach einem Marsch über ein naheliegendes Feld waren unsere Schuhe zwar durchnässt, was uns aber nicht gestört hat. Lange hat unser Spaziergang nicht gedauert, denn die Jungs spielen gerne Fußball und wollten dies mit uns tun. Wir gingen brav zurück, haben uns aber danach vor dem Fußballspiel gedrückt, da wir nicht so gerne Fußball spielen und wir die falschen Schuhe anhatten. Das Wetter hat den Russen echt keinen Gefallen getan, daher hätten wir nicht lange spielen können. Es gab heftige Schauer. So gingen wir rein und haben es uns im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Wir haben uns unterhalten und fühlten uns doch sehr wie Touristen, da alle Russisch gesprochen haben und wir kein einziges Wort verstanden haben. Wieder habe ich ein Geschenk bekommen: ein Schutzcover eines Reisepasses mit dem Russischen Staatsemblem. Später beim Essen haben Mike und ich den Zehntklässlern eine deutsche Fahne überreicht. Im Gegenzug bekamen wir eine russische Flagge. Zahlreiche Fotos später gingen wir in die Disco, um zu tanzen. Nachdem der Abend zu Ende ging, mussten wir allen versprechen, am nächsten Tag noch mal vorbei zukommen. Wir haben mit Vergnügen dieses Versprechen gegeben und sind einen Tag später nochmal zum Ulmenhof gefahren. Wieder sind wir in die Disco gegangen und uns fiel ein Mädchen auf, das zur Musik passend mit zwei Tennisbällen, die an Seile gebunden waren, jongliert und getanzt hat. Dies war sehr beeindruckend und wir reden immer noch heute darüber. Insgesamt waren alle sehr begabt. Am Montag, den 20.September hieß es Abschied nehmen. Ich ging mit gemischten Gefühlen dorthin. Ich selber hatte das Gefühl auf einer kleinen Klassenfahrt gewesen zu sein und von deren Gastfreundlichkeit war ich sehr angetan. Um 19 Uhr gab es noch ein kleines Abschiedskonzert und dann war es leider soweit. Eine sehr schöne und unvergessliche Woche ging vorüber. Abschiede fallen immer schwer, aber dieser fiel besonders schwer, da uns alle ziemlich ans Herz gewachsen sind. Wir werden alle sehr vermissen. Nach dem Abschied mit einer kleinen Träne im Auge stiegen alle in den Bus und fuhren los. Voraussichtlich kommen sie am 22.September in Russland an.

Wir haben uns verliebt, nicht in eine Person, sondern in die Warmherzigkeit der Russen. Wir werden mit denen im Kontakt bleiben und haben ihnen unser Wort gegeben, sie in Moskau zu besuchen. Wir sind schon sehr gespannt darauf, wie es dort sein wird. Diese Woche hat unserer Meinung nach alle unsere Vorurteile gegenüber Russen beseitigt. Damit verabschieden wir uns.

(dasvi'da:nja) auf Wiedersehen!