Frankreich streikt!!!

(Julu) Juhu in Schleswig-Holstein sind Ferien! Und am besten verbringt man seine Ferien mit Freunden oder in der  Sonne. Ich habe mich für die Sonne entschieden. Am 12.10.2010 sollte es losgehen. Ich sollte von Hamburg über Lyon nach Nizza fliegen. Dass Frankreich gerne streikt, wusste ich schon. Und ich habe diesen Streik-Instinkt zum Nachteil der Lehrer auch im Blut. Zu meinem Nachteil fingen am 12.10.2010 in Frankreich die Generalstreiks an, weil unsere lieben Nachbarn nicht 62 Jahre bis zu Rente warten möchten. Ein Witz im Gegenteil zu den Deutschen, die schon 67 Jahre lang arbeiten müssen. Zwei Tage vor Beginn der Reise bekam ich die E-Mail, dass mein Flug von Lyon nach Nizza verschoben wurde. Also in Lyon ganze 6 Stunden warten. Als die Reise dann endlich anfing, hatte ich in Hamburg die Qual der Wahl, entweder durch den Ganzkörper-Scanner,  wo die Warteschlange wirklich schnell durchkam, oder durch den altmodischen Metalldetektor zu laufen. Habe ich mich für das Warten entschieden. Als ich nach geschlagenen zehn Minuten endlich fertig war und ich pünktlich zum Boarding erschien, kam die erste Ernüchterung. Wir saßen schon im Bus auf dem Weg zum Flugzeug, als es hieß, dass die Flugkontrolle in Frankreich angefangen hat zu streiken. So wurden wir zurück zum Flughafen gefahren und durften eine Stunde warten. Glücklicherweise muss der Flughafen die Wartezeit ab einer Stunde entschädigen. So haben alle Passagiere einen Fünf-Euro Gutschein bekommen, den man im überteuerten Flughafen Bistro einlösen konnte. Nach 30 weiteren endlos scheinenden Minuten kam der zweite Boardingversuch. Diesmal lief alles glatt und mit einer Ich-hoffe-ich-sehe-euch-unter-diesen-Umständen-nicht-wieder-Verabschiedung des Bodenpersonals gab es die Erlaubnis nach Frankreich zu fliegen. In Lyon angekommen, wurde ich schon mit dem nächsten Ärgernis konfrontiert. Der Korridor, um nicht aus der Sicherheitszone zu treten war gesperrt. So musste ich mich wieder neu einchecken und bin dann dank meiner Mutter in die Lounge von Air France gekommen. So musste ich die sechs Stunden nicht in der gestressten Wartehalle sein, die auch noch nach unzähligen Parfumarten aus den Duty-free-shops roch. Nachdem ich nach sechs Stunden in der Air-France-Lounge sehr entspannt zum Boarding gehe, freue ich mich schon sehr, endlich an meinem Ziel anzukommen. Wie das Schicksal aber so will, habe ich nicht mit den Generalstreik gerechnet. Kaum fängt das Boarding an, streikt die Flugbetankung. Wieder eine Stunde warten. Als die Flugbetankung mit dem Streik aufhört, fängt die Flugüberwachung wieder an zu streiken. Zum Nachteil der Passagiere wird der letzte Flug nach Nizza gestrichen. Es bricht zum Teil Panik im Warteraum aus. Die eine Hälfte der Reisenden hat es sich auf den Stühlen sofort gemütlich gemacht und versucht zu schlafen - die andere Hälfe, zu der ich gehöre, sprintet zum Airfrance Ticketschalter, um weitere Infos zu erlangen. Es heißt, dass die Streiks wohl erst am kommenden Samstag aufhören würden. Dies ist wohl aber so sicher wie ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl. Für den darauf folgenden Tag gab es nur drei Flüge, die leider schon alle ausgebucht waren. So bleibt mir nichts anderes als zur Gepäckausgabe zu gehen und auf mein Gepäckstück zu warten. Nebenbei telefoniere ich ständig mit meiner Mutter, die alles möglich versucht, noch ein Hotel zu bekommen. Als ich meine Tasche dann in der Hand halte, wendet sich meine Pechsträhne plötzlich zum Guten. Ein junger Techniker von Air France, der unbedingt noch nach Nizza muss, bietet den Reisenden an jemanden mitzunehmen. Ich laufe zu ihm und fahre dann mit Absprache mit meiner Mutter mit nach Nizza.

Dies war nur ein kleiner Einblick in die Streiks in Frankreich. Im Radio habe ich auf der Fahrt nach Nizza noch gehört, dass die Ölraffinerien auch noch streiken und dass die Einwohner von Korsika schon auf Benzin von Italien angewiesen sind. In ganz Frankreich ist nur noch eine Raffinerie aktiv und sämtliche Tankstellen haben schon kein Benzin mehr in den Zapfsäulen. Frankreich steht still. Alle öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht mehr. Nur noch jedes vierte öffentliche Verkehrsmittel fährt. Ende der Streiks sind noch nicht in Sicht und so, wie ich Frankreich kenne, wird der nächste Streik nicht lange auf sich warten lassen!