Das Leben ohne Sicht
(Jame) Für viele nicht Betroffene fallen Menschen mit einer Sehbehinderung nicht auf. Immerhin tragen sie kein Schild, worauf geschrieben steht: „Aus dem Weg, ich sehe nichts!“. Denn es reagieren leider viele Menschen auf diese Information negativ und verständnislos. Viele Sehbehinderte machen diese Erfahrung, auch ich. Wir sind normale Menschen, die auch normal behandelt werden möchten. Es gibt verschiedene Arten der Sehbehinderung. Manche Menschen sind komplett blind, andere haben eine kleine Schädigung und wiederum andere können in bestimmten Situationen nichts erkennen, wie zum Beispiel der Dunkelheit. Dabei kann man nicht alle über einen Kamm scheren, weil jeder mit dieser Herausforderung unterschiedlich umgeht. Für mich als Schülerin an der Schule Kisdorf ist der Tag teilweise stressig, teilweise entspannt. Da ich nicht immer an allen Aktivitäten teilnehmen kann, wie zum Beispiel am Sportunterricht oder an Versuchen im Chemieunterricht. Es gestaltet sich als schwierig, weil ich nicht alles erkennen kann. Gläser kann ich nicht sehen und würde sie umkippen, wenn sie im Weg stehen. Aber der Unterricht im Klassenraum gestaltet sich mit einem Lesegerät mit Tafelkamera meist reibungslos. Auf dem Schulgelände selber funktioniert die Orientierung sehr gut, da man sich die Umgebung und die Stufenanzahl der Treppen im Gedächtnis einprägen kann. Doch herrscht Trubel, die Sonne blendet oder es ist stockdunkel, gibt es viele Probleme, vor allem wenn auch noch Stühle oder Schulranzen im Weg stehen. Doch so lange es hilfsbereite Mitschüler und Lehrer gibt, kommt man geregelt und glücklich durch den Alltag.