Nur wer erinnert, schützt die Zukunft

Am 27.01. ist Internationaler Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus. Dabei gehören unsere Kinder allerdings einer Generation an, der ein Austausch mit Zeitzeugen des NS-Regimes zum großen Teil nicht mehr möglich sein wird. Umso wichtiger wiegt der Auftrag an uns Erwachsene, Brücken zu bauen und Anknüpfungspunkte zu finden, die Schreckensherrschaft mit der Lebensrealität unserer Kinder und Jugendlichen verbinden.

Zum Gedenktag 2026 brachen einige Lehrkräfte mit dem neunten und dem zehnten Jahrgang zum Unterrichtsgang innerhalb Kisdorfs auf. Schulverbandsvorsteherin Silke Ahrens-Busack begleitete uns auf dem Weg durch den verschneiten Ort und den eineinhalb Kilometer langen Kistlohweg entlang, an dessen Ende vor sieben Jahren eine Gedenktafel installiert wurde, die an den erschossenen Häftling Josef Tichy erinnert. Einige hundert Meter davor versammelten wir uns, um Schulleiterin Karoline Schmiedeknechts Worten zu folgen, die darlegten, dass Gedenken als Zeichen einer wehrhaften Demokratie so wichtig sei, um eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Und das Menschenrechte, beispielsweise die Meinungsfreiheit, keine Selbstverständlichkeit sondern ein Gut seien, dass es zu verteidigen lohne. Nach den letzten Metern legten SchülerInnen weiße Rosen an der Gedenktafel nieder und wir traten den Rückweg an. Danke für die guten Gespräche über Familien und ihre Geschichten.

 

Zur inhaltlichen Einordnung durften wir schon am Tag zuvor Thomas Käpernick, Historiker der KZ Gedenkstätte Neuengamme, begrüßen, der einen fundierten Impulsvortrag für die SuS der Abschlussjahrgänge vorbereitet hatte und aus erster Hand von der schwierigen Recherchearbeit zu Schicksalen unter dem NS-Regime berichten konnte. Eines davon fand in Kisdorf vor 81 Jahren sein tragisches Ende: Josef Tichy war ursprünglich „wegen angeblicher Widerstandsdelikte[n] verurteilt, obwohl ihm keine Beteiligung an Widerstandshandlungen nachgewiesen wurde. Sein Tod geht auf das Konto des nationalsozialistischen Terrorstaates“1. Er war der erste Häftling von neun, der auf dem Todesmarsch im April 1945 vom Konzentrationslager Fuhlsbüttel (Kolafu) zum „Arbeitserziehungslager (AEL) Nordmark“ in Kiel-Hassee erschossen und dann am Straßenrand verscharrt wurde. Einige Monate später wurde er auf dem Kaltenkirchener Friedhof beerdigt.

Thematisiert wurde im Vortrag auch, dass die Gedenktafel kurz nach der Einweihung gleich zweimal Vandalismus zum Opfer fiel, von engagierten EhrenamtlerInnen aus Kisdorf aber gereinigt und stärker befestigt wurde. Keine weiteren Beschädigungen sind hiernach verzeichnet.

 

Die Gedenktafel steht hier in Kisdorf. Die Jahrgänge 9 und 10 wissen nun wie nah.

 

Vielen Dank Thomas Käpernick, Silke Ahrens-Busack, dem Schulverein und allen Lehrkräften für die Umsetzung.

 

1 Käpernick, T./ Ellger, Hans: Das erste Todesopfer. In:„Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden“. Der Todesmarsch von Hamburg nach Kiel im April 1945. Neun Biografien. Seite 91.

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Veröffentlichung

Di, 03. Februar 2026

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